Arbeits-facetten

Zufriedenheit entsteht, wenn viele positive Einflüsse vorhanden sind und möglichst alle negativen Einflüsse gut verarbeitet werden können. Die Mitarbeiterzufriedenheit versteht man am besten, wenn man sich überlegt, wann man selbst bei der Arbeit zuletzt zufrieden war. Oder unzufrieden? Im zweiten Schritt fragt man sich, warum bin ich eigentlich zufrieden? oder unzufrieden? Schnell stellt man fest, dass einem manche Dinge gut gefallen, manche Dinge schlecht, manche Dinge egal sind. Beispielsweise kann man insgesamt zufrieden sein, obwohl man für den eigenen Anspruch etwas zu wenig Gehalt erhält. Dann muss es für die Zufriedenheit andere "Dinge" geben, die eben passen.

Bei Arbeitsfacetten handelt es sich um solche Aspekte auf der Arbeit, die MitarbeiterInnen motivieren oder demotivieren können. Es ist für Arbeitgeber empfehlenswert alle Arbeitsfacetten zu berücksichtigen, da bereits eine schlecht empfundene Facette die gesamte Arbeitszufriedenheit stark beeinträchtigen kann. Eine sehr gut empfundene Arbeitsfacette allein wird aber nicht in gleichem Maße eine positive Wirkung auf die Arbeitszufriedenheit haben wie eine negative Arbeitsfacette eine negative Wirkung. 

Die Arbeitsfacetten stellen bildlich das Gerüst oder das Fundament einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit dar. Unsere Methodik soll durch die einzelne Beurteilung aller Arbeitsfacetten den Abteilungen erlauben, ihre Stärken und Schwächen zu identifizieren. Für potenzielle Bewerber soll unsere Methodik schon bei Stellensuche die Einschätzung ermöglichen, ob diese Abteilung für sie die richtige ist. Für unsere Treatfair-Prüfung haben wir zehn Arbeitsfacetten ausgewählt, die insbesondere für die Ärztezufriedenheit eine Rolle spielen.

 
 
© Geralt/Pixabay.com

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Facette 1: Arbeitszeitgestaltung

Bei der Bewertung der Arbeitszeitgestaltung wurden Arbeitszeitdokumentation, Familienfreundlichkeit der Arbeitszeitgestaltung bzw. Vereinbarkeit von Beruf mit Privatleben (Work-Life-Balance), Überstunden und Wochenendarbeit berücksichtigt. Werden regelhaft Bereitschaftsdienste geleistet, welche nicht dem angeforderten Arbeitsanfall im Bereitschaftsdienst entsprechen? Welche Möglichkeiten haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teilzeit zu treten und das Arbeitspensum beispielsweise auf 50 % zu reduzieren sowie im Verlauf wieder aufzustocken?


Facette 2: Arbeitsatmosphäre

Unter Arbeitsatmosphäre verstehen wir das vorherrschende Gefühl einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters am Arbeitsplatz. Bei Beurteilung der Arbeitsatmosphäre gehen Kollegialität, Arbeitsumgebung, Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, zwischenmenschlicher Umgang in der Abteilung, Personalplanung, soziale Kompetenz der Vorgesetzten und Konfliktlösungskompetenz mit in die Bewertung ein.

© Tillmann Persicke

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© Viktor Hanacek/picjumbo.com

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Facette 3: Führungskultur

In die von uns bewertete Führungskultur gehen vorrangig die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfundenen Gesichtspunkte ein. Fühlen sich die Angestellten durch das Leitungsteam unterstützt und motiviert? Fühlt sich das Personal wertgeschätzt und als Teil der Abteilung bzw. des Unternehmens? Geben sich die Vorgesetzten bei der Personalplanung Mühe? Empfinden die Angestellten, dass das Leitungsteam Work-Life-Balance, Fairness und Familienfreundlichkeit anstrebt?


Facette 4: Sinnhaftigkeit der Tätigkeiten

Ärztinnen und Ärzte definieren sich noch mehr als manche anderen Berufsgruppen über die empfundene Sinnstiftung ihrer Tätigkeiten. Je mehr Sinnhaftigkeit in einer Tätigkeit empfunden wird, desto erfüllter fühlen sich Ärztinnen und Ärzte. Bei der Beurteilung dieser Arbeitsfacette wird berücksichtigt, inwiefern die Rahmenbedingungen Tätigkeiten vorsehen, die von vielen Ärztinnen und Ärzten als nicht sinnstiftend erlebt werden. Hier gehören beispielsweise Tätigkeiten, die durch verbesserungswürdige Organisation vereinfacht oder durch Delegation an nicht-ärztliche Berufsgruppen beseitigt werden könnten.

© Viktor Hanacek/picjumbo.com

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Facette 5: Weiterentwicklungsmöglichkeiten

Ein pünktlicher Feierabend und eine nette Arbeitsatmosphäre reichen meist noch nicht zu einer hohen Arbeitszufriedenheit. In kaum einer anderen Berufsgruppe ist eine kontinuierliche Weiterbildung so wichtig wie in der Medizin. In der Beurteilung dieser Arbeitsfacette werden vorhandene Fortbildungskonzepte berücksichtigt. Welche regelmäßigen Fortbildungsangebote gibt es? Bleibt trotz des Arbeitspensums noch Zeit zur gründlichen Recherche und zum Ausbau des Fachwissens? Werden Fortbildung und Weiterbildung durch Freistellung unterstützt?


Facette 6: Vergütung

Die wenigsten Medizinerinnen und Mediziner sind unglücklich wegen ihres Gehaltes. Dennoch möchten wir die Vergütung in unserer Prüfung nicht ganz außer Acht lassen. In der Beurteilung dieser Arbeitsfacette geht es u.a. um den Vergleich der Bezahlung mit den Tarifverträgen. Gibt es Bonuszahlungen? Werden Fortbildungen und Weiterbildungen finanziell unterstützt? Werden Überstunden und Mehrarbeit entlohnt?

© Steve Buissinne/pixabay.com

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© Viktor Hanacek/picjumbo.com

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Facette 7: Selbstbestimmung

In Angestelltenverhältnissen gibt es stets für Angestellte ein Abhängigkeitsgefühl von Kollegen und Vorgesetzten. Im ärztlichen Bereich empfinden viele Ärztinnen und Ärzte die Abhängigkeit vergleichsweise noch größer, da insbesondere in den anfänglichen Jahren die Ausbildung und Weiterbildung sehr wichtig für die weitere Karriere sind und stark von der Gunst der Vorgesetzten abhängen können. In der Beurteilung dieser Arbeitsfacette werden Teilzeitmöglichkeiten, die Langfristigkeit der Personalplanung, Eigenständigkeit in den alltäglichen Tätigkeiten und Beteiligung an Entscheidungsprozessen berücksichtigt.


Facette 8: Fairness

Faire Behandlung der angestellten Ärztinnen und Ärzte durch die Vorgesetzten ist auch eine Komponente für Arbeitszufriedenheit. In die Beurteilung dieser Arbeitsfacette fließen Arbeitszeitdokumentation, Pausenregelung und Vergütung der Überstunden ein. Herrscht Gleichberechtigung und Gleichbehandlung bezüglich Herkunft, Geschlecht und Menschen mit Behinderung? Empfinden die Angestellten Gerechtigkeit als Ziel in der Personalführung? Erfolgen Beförderungen nach den Idealen Eignung und fachlicher Leistung?

© Deniz Altindas/unsplash.com

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© Ronald Cuyan/unsplash.com

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Facette 9: Wertschätzung

Auch bei Ärztinnen und Ärzten führt das Gefühl von erlebter Wertschätzung durch die Vorgesetzten zu positiven Emotionen und ist damit eine Komponente für die Mitarbeiterzufriedenheit. Bei der Beurteilung dieser Arbeitsfacette fließt mit ein, ob die Vorgesetzten die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrnehmen und ob sich die Angestellten durch die Vorgesetzten wertgeschätzt fühlen. Auch wird berücksichtigt, ob in der Abteilung insgesamt eine wertschätzende Atmosphäre vorherrscht.


Facette 10: Zeit für Patienten

Viele Ärztinnen und Ärzte entschieden sich zum Medizinstudium, um Menschen zu helfen. Aus der unmittelbaren Arbeit an Patienten können sie Motivation schöpfen. Somit stellt Zeit für Patienten eine Komponente für Arbeitszufriedenheit bei Ärztinnen und Ärzten dar. Denn Zeit für die Behandlung und das Gespräch mit den Patienten ist essentiell um das Gefühl zu entwickeln, anderen geholfen zu haben. Bei Arztberufen mit teilweise fehlendem Patientenkontakt (bspw. Labormedizin) entfällt diese Arbeitsfacette.

© rawpixel.com

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